Gast-Beitrag von Rick Ski (LSD)


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Eröffnung der ersten Hip Hop Ausstellung Deutschlands im Rock`N` Popmuseum Gronau

 museum

Am Freitag, dem 25.06.2015 waren wir (Mein Bruder Future Rock und Ich alias Rick Ski) als Gäste der Eröffnung der „Styles – Hip Hop in Deutschland“ Ausstellung im Rock `n Popmuseum Gronau eingeladen. Außerdem mit dabei waren unser alter Kumpel und Weggefährte Frederick „Torch“ Hahn, die Rapperin Pyranja, sowie die DDR B-Boy-Legende Heiko „Hahny“ Hahnewald. Dieses Event war, zumindest für mich schon etwas Besonderes, da es eine derartige Ausstellung, welche sich mit der gesamtdeutschen Geschichte des Hip Hop beschäftigt, bisher noch nicht gegeben hatte. Circa Mitte 2014 wurde ich von Dr. Thomas Mania, Kurator des Museums, erstmal diesbezüglich kontaktiert. Auf mich aufmerksam geworden war er damals durch meinen Text im „Samples“ Online-Magazins, den ich im Rahmen meines Vortrages an der Universität Wuppertal im Jahr 2009 verfasst hatte. Diesen Text (bearbeitet durch Dr. Oliver Kautny) kann man auch im Buch zur Ausstellung (ISBN 978-3-933060-46-4) nachlesen, welches im Telos Verlag erschienen ist.

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Wir waren einer der ersten Formationen, welche damals vom Museum kontaktiert wurden und viele Künstler konnten sich wohl anfangs, wie mir gesagt wurde, nur wenig für die Idee einer Ausstellung begeistern lassen. Alles was mich wirklich interessierte war, ob die Macher den ernsthafte Willen haben eine Ausstellung auf die Beine zu stellen, welches das Thema vielseitig beleuchtet und wirklich auf die Ursprünge der Bewegung jenseits der Mainstream-Oberfläche von „Gangster-Rap“ oder „Fanta 4“, eingehen möchte. Da ich den Eindruck hatte, das dies der Fall sei, habe ich mich voll ins Zeug gelegt und wochenlang tief in meinen Archiven und denen meiner Band LSD „gegraben“. Mir persönlich war es auch egal, ob die Initiatoren aus der Hip Hop Szene selber kommen. Wenn eine derartige Ausstellung sowieso stattfindet, dann auch richtig, so mein Gedanke. Nun, wie bereits erwähnt, waren wir zur Eröffnung der Ausstellung in Gronau zusammen gekommen und alle Anwesenden waren offensichtlich sehr gespannt wie die Vernissage wohl aussehen würde, bzw. wie sie bei den Leuten ankommt. Da das Museum bezüglich Hip Hop keine Erfahrung hatte, bat Inga Fransson (Presse Rock `n` Popmuseum) mich um Rat wie man denn das Eröffnungsszenario des Events gestalten könnte. Die Schlager-Ausstellung in Gronau wurde z.B. durch eine Konfetti-Kanone gestartet und bei der Scorpions-Revue wurde ein Skorpion an die Decke des Foyers projiziert. Doch derartige Ideen passen beim Thema Hip Hop einfach nicht. Warum also nicht auf die musikalischen Ursprünge zurückgehen und das Event mit dem Scratching einer Vinyl-Scheibe starten? Dafür allerdings irgendeine Platte zu verwenden würde dem „Do it yourself“ und „being Unique“ Charakter des Bewegung nicht gerecht. Ich schlug also vor, dass ich extra für das Event einen exklusiven Song aufnehmen könnte, dessen Text u.a. das Rock `n` Popmuseum sowie die Ausstellung beinhaltet. Dieses Lied könnte man dann auf eine Dubplate (Einzelstück Schallplatte) schneiden, bzw. verewigen und mit diesem Stück das Event eröffnen. Meine Idee fand Anklang, so dass ich nun auch einen entsprechenden Song abliefern musste. Und das war einfacher gesagt als getan. Denn ich hatte mit meiner Freundin zusammen, kurz vor der Ausstellung gelegen, einen einwöchigen Urlaub gebucht. Und außerdem musste ich vor unserer Abreise noch eine wichtige Auftragsproduktion abliefern. So hatte ich für den kompletten Song (Texten, Musik, Aufnahme, etc.) nur einen Abend zur Verfügung. Innerhalb weniger Stunden hatte ich dann tatsächlich den Text für den Song verfasst und war gerade im Begriff die dafür vorbereitete Musik vom Laptop auf meinen anderen Computer zu transferieren. Dann passierte der Supergau! Ein Kurzschluß im „Der Maschinenraum“ Tonstudio mit einer Überspannung, welche sowohl meinen Laptop, sowie meinen teuren DJ-Mixer zerstörten! 😦 Was nun? Den Song einfach canceln? Das ging einfach nicht, da der Song fest für das Eröffnungsszenario der Veranstaltung eingeplant war. Nach einer Weile der Überlegung entschloss ich mich musikalisch umzuswitchen und einen alten Demo-Beat aus meinem Archiv für den Song zu verwenden. In Windeseile hatte ich dann tatsächlich meine Vocals aufgenommen und schickte die einzelnen Spuren an meinen Freund Patrick „Tricks“ Höderath, der den Song abmischen und auch die Dubplate schneiden sollte. Dann gings erstmal für eine sehr schöne Woche auf die fast 6000 km von Deutschland entfernten Kapverdischen Inseln (siehe Beitrag Ich packte meinen Koffer…). Nach unserer Rückkehr hatte ich nur einen Nachmittag um mein DJ-Set für Gronau vorzubereiten. Denn ich war zusammen mit meinen Bruder Future Rock, auch als DJ für das Event eingeplant. Meine Vorbereitungen dafür waren aufgrund des kaputt gegangenen Equipments (DJ-Mixer, Laptop), ziemlich stressig. Doch wat mut, dat mut! 😉

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Los ging die Veranstaltung mit einem siebenminütigen DJ-Set von mir, welches ich extra dafür vorbereitet hatte. Dafür hatte ich nicht einfach ein paar Raptracks aus Deutschland „zusammen geklatscht“, denn das wäre mir viel zu platt gewesen. Stattdessen habe ich circa 14 Songs aus den Jahren 82-84 herausgesucht, um die Besucher der Veranstaltung mit auf eine Zeitreise zu den Anfängen dieser Bewegung in Deutschland zu nehmen. Lieder also, die uns und andere damals dazu inspirierten selbst aktiv zu werden. Mein DJ-Set haben wir auch auf Video festgehalten und ich werde den Clip in den nächsten Wochen u.a. auf meinem Facebook-Profil, bzw. menem Youtube-Kanal veröffentlichen. Nach meiner kurzen DJ-Darbietung begann eine von Pyranja moderierte Talkrunde mit den Kuratoren der Ausstellung (Dr. Thomas Mania, Prof. Dr. Michael Rappe, Dr. Oliver Kautny), Museumsleiter Thomas Albers, sowie den anwesenden Künstlern. Die Veranstaltungsgäste konnten hier interessante Details zur Ausstellung, sowie zur Historie der Akteure erfahren.

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Dann war es aber soweit! Mein extra für die Eröffnung produzierter Song feierte Weltpremiere. Für diesen Zweck wurde extra ein zweites DJ-Set vorbereitet, welches ausschließlich dem Abspielen der Dubplate diente. Mit nur einem Turntable und relativ hoch gebaut, ganz im Stil jamaikanischer Soundsystems wie Chanel One, etc. Um der Platte selbst einen besondern Hip Hop Touch zu geben, hatte mein Kumpel Tricks sie zusätzlich mit Graffiti-Tags gelabelt.

Dubplate

Ich schritt also mit der Platte rüber zum Set und scratchte das Intro rein. Textauszug des Intros: „Ladies & Gentlemen! Willkommen im Rock `N`Popmuseum Gronau. Es begann in der New Yorker Bronx: Hip Hop! MCing, DJing, Graffiti, B-Boys & B-Girls……. Seit über 30 Jahren ist Hip Hop nun auch in Deutschland zuhause….“. Im darauf folgenden, eigentlichen Song geht es inhaltlich darum, wie wir (LSD) zum Hip Hop gekommen sind und wie es dazu kam, dass wir 1989 eine der ersten Rap-Platten aus Deutschland  (LSD „Competent“) herausbrachten, etc. Um dann aber doch wieder die Verbindung zur Ausstellung herzustellen, hatte ich eine kurze finale, vierte Strophe gedichtet, die folgendermaßen lautet: „Über 30 Jahre Hip Hop ist ein guter Grund zu feiern. Für all die Heads von Gronau bis nach Bayern. Die Spannung steigt für dich und jedermann, 3, 2, 1 und die Ausstellung fängt an!“ Nach der darauf folgenden, ebenfalls im Song enthaltenen Explosion stieß Inga Fransson vom Museum die Pforten auf und die Ausstellung war hiermit eröffnet.

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Der folgende, lautstarke Applaus zeigte mir, dass mein Konzept aufgegangen war. Es war ein gelungener Auftakt für die Ausstellung! Trotz der kurzen Entstehungszeit des Songs (nur ein Abend), sowie der widrigen Umstände (defektes Equipment), ist mir der Song so gut gelungen, dass ich ihn in bearbeiteter Form in ein paar Monaten, regulär veröffentlichen werde. Die Version der Ausstellung wird aber ein „Einzelstück“ bleiben. Die Dubplate, sowie der Song (Kann auf dem Kopfhörer angehört werden) sind nun ebenfalls ein Teil der Ausstellung! Eventuell wird die Scheibe nach der Ausstellung für einen guten Zweck versteigert. So zumindest mein Vorschlag ans Museum.

Nun aber rein in den Saal und zum ersten mal die Ausstellung begutachten. Zu sehen gibt es zahlreiche Ausstellungsstücke der Heidelberger Stieber Twins & Cora E, Gegenstände von Akim aka Zebster, Advanced Chemistry, Beginner, etc.

Stieber

Das Ganze ist sehr interaktiv, so dass man sich z.B. zahlreiche Songs, oder Interviewbeiträge an den einzelnen Stationen per Headset (bekommt man beim Einlass) anhören kann. Aber auch viele Videoclips bekommt man zu sehen. Die Kuratoren haben sich große Mühe gemacht die gesamte Geschichte des deutschen Hip Hop abzudecken. So gibt es Ausstellungsstücke zur Entstehung des Hip Hop in der New Yorker Bronx, Filmbeiträge aus der Zeit der sogenannten „Breakdancewelle“, sowie zahlreiche, frühe deutsche Jam-Plakate, etc., zu sehen. Besonders interessant fand ich den Schaukasten zur DDR B-Boy Szene.

hahny

Auch unserer Band (LSD), inklusive das Label „Blitz Vinyl“, etc., hat einen speziellen Schaukasten bekommen. Von uns ist u.a. das original Equipment zu „bewundern“, mit dem wir damals unter anderem unser Debüt-Album (LSD „Watch out for the Third Rail von 1991) produziert hatten. Außerdem kann man sich dort z.B. Songs und Interviews von uns anhören. Und auch unser „Competent“ Musikvideo von 1989 läuft dort in Dauerschleife! 🙂

LSD-Booth

LSD-Schild

Weitere Ausstellungsstücke, welche wir bereit gestellt hatten, wurden in anderen Bereichen der Vernissage untergebracht. So sind dort u.a. meine Original Adidas Superstars mit Superwide-Fatlaces, sowie die selbstgestalteten Grafftiti- Shirts von Future Rock und mein Zulu-Nation Medallion zu sehen. Trotzdem sind nur circa 60 % der von uns bereitgestellten Gegenstände, bzw. Medien in der Ausstellung gelandet. Aber das ist ja immer so. Der Platz ist begrenzt und es muss halt eine Auswahl getroffen werden. Insgesamt muss ich sagen, dass dem Rock `n` Popmuseum Gronau eine wirklich sehenswerte Ausstellung gelungen ist.

Adidas

Zulu2

Tshirts

Ich persönlich könnte auf einige Bereiche der Ausstellung, wie übergroße Fotos eines Bushido, oder irgendwelchen Sido-Masken getrost verzichten. Aber es gibt wohl Leute, die so etwas sehen wollen. Doch wenn dabei die wahre Essenz der Hip Hop Bewegung nicht untergeht, kann ich damit leben. Einige Bereiche, wie z.B. Graffiti, sind zwar etwas unterrepräsentiert, was allerdings nicht die Schuld der Kuratoren ist. Wie mir gesagt wurde, ist der Grund dafür eher der, dass viele der angefragten Szene-Leute schlicht keine Lust auf die Ausstellung hatten oder einfach nicht „in die Gänge“ gekommen sind. Außerdem muss man immer im Hinterkopf behalten, dass „Styles – Hip Hop in Deutschland“ die erste Ausstellung dieser Art in Deutschland ist. Und da kann man einfach nicht erwarten, dass alles perfekt ist. Ich finde jedenfalls, dass sich sowohl für Leute aus der Hip Hop Szene, sowie für Interessierte, die noch nicht so mit der Materie vertraut sind, eine Reise zur Geburtsstadt Udo Lindenbergs lohnt. Anschauen kann man sich die Vernissage noch bis zum Frühjahr 2016. Also, auf nach Gronau! 🙂

Peace,

Detlef Rick aka Rick Ski

 

Infos:

Styles – Hip Hop in Deutschland Ausstellung

rock’n’popmuseum
Udo-Lindenberg-Platz 1
48599 Gronau
Tel. +49 2562 8148-0

Öffnungszeiten:
Mi bis So: 10 – 18 Uhr
Dienstags auf Anfrage

Web: http://rock-popmuseum.com

 

 

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