Straight Outta Compton – Review/Filmkritik


Intro:

Bereits im Jahr 2009 kam ein Biopic über die Gruppe N.W.A. erstmals ins Gespräch. Schon damals war das Interesse der Öffentlichkeit groß. Allerdings benötigten die beiden Hauptproduzenten des Films, Ice Cube (O`Shea Jackson) & Dr. Dre (Andre Young) Jahre, um dieses Mammut-Projekt in die Tat umsetzten zu können. Vor rund zwei Jahren, zeigte Ice Cube bei einem seiner Konzerte, sehr zur Begeisterung des Publikums dann endlich, dann den ersten Trailer des Films. Und auch wir waren schon damals schon sehr gespannt. Am 18. August 2015 war es dann endlich soweit. Straight Outta Compton feiert seine Europa-Vorpremiere! Wir haben nicht lange gezögert, uns Karten gesichert und sind ins Kino unserer Wahl gefahren. Hier unsere Filmkritik!

Fakten:

  • Art: Spielfilm/Biopic/Musikfilm
  • Länge: 147 Minuten
  • Kinostart: 27. August 2015 (Deutschland)
  • Studio: Universal Pictures
  • FSK: Ab 12 freigegeben

Nur dies schon vorab: Mit F. Gary Gray haben sich die Produzenten des Streifens einen sehr guten Regisseur ins Boot geholt (Friday, Set It Off, Italian Job Remake). Außerdem hat er sich selber noch einen kleinen Cameo-Auftritt in seinem neusten Werk verschafft. (Na? Hat ihn jemand entdeckt? 😉 )

Straight Outta Compton

Regisseur F. Gary Gray war der perfekte Mann für den Job! Foto: Universal

Cast:

O`Shea Jackson Jr., der seinen Vater Ice Cube verkörpert, ist der auffälligste Darsteller des Films. Nicht nur die Ähnlichkeit ist verblüffend, sondern auch, dass er Ice Cubes wohlbekannte „verkniffende“ Mimik adaptiert hat. Genetic rocks! 😀 Aber auch seine schauspielerische Leistung ist absolut überzeugend und die Rap Skillz ebenso.

Sein großes, darstellerisches Potential konnte Corey Hawkins (Dr. Dre) in Straight Outta Compton unter Beweis stellen. Das ist ganz sicher seiner professionellen Ausbildung als Schauspieler und seiner Erfahrung als Shakespear Darsteller zu verdanken. Selbst für nicht Hip Hopper schwierige Szenarien wie Djing und Scratching kamen bei ihm authentisch rüber.

Straight Outta ComptonDie Die Hauptrollen mit jungen, unverbrauchten Darstellern zu besetzten, bringt eine besondere Dynamik in die Erzählung der Bandgeschichte! Bild: Universal

Jason Mitchell fanden wir als Besetzung von Eazy-E auch sehr gut gewählt. Selbst für Zuschauer die nicht so mit der Materie N.W.A. vertraut sind, wird Eazy-E`s Charakter erkenntlich. Auch Jason Mitchell`s Rapstimme kommt sehr nah an das Original ran.

Neil Brown hat es im Film geschafft seiner Figur DJ Yella das nötige Leben einzuhauchen. Er verkörpert das N.W.A. Mitglied als netten und sympathischen Kumpel.

Straight Outta ComptonStraight Outta Compton

Corey Hawkins (Dr. Dre) wirkt auch in den DJ-Szenen des Films authenisch und O`Shea Jackson Jr. verkörpert seinen Vater Ice Cube sehr glaubhaft. Bild: Universal

Leider sind einige Charaktere zu kurz gekommen. Aldis Hodge hat es leider nicht geschafft seiner Figur MC Ren die nötige Präsenz und Wichtigkeit zu verleihen. Ob es nun an der Leistung oder dem Skript liegt, kann man als Außenstehender nur schwer bewerten.

Hervorheben muss man allerdings die Leistung von R. Marcus Taylor, der eigentlich eher Stuntman als Schauspieler ist. Mit ihm als Suge Knight haben die Produzenten die perfekte Besetzung gefunden. Nicht nur äußerlich passt diese Rolle zu ihm, sondern er hat auch diese verdammt bedrohliche Ausstrahlung für die Suge Knight bekannt und gefürchtet ist. (Al: Boah! Was war ich angewidert von diesem Typ und bin immer noch fassungslos was das für `ne fiese Möpp is)

Nicht zu vergessen: Wer ist Jerry Heller?

Was haben wir uns den ganzen Film über den Kopf zerbrochen, woher wir diesen Schauspieler kennen. Es wollte uns einfach nicht einfallen. Google lieferte schließlich die Antwort: Es ist der wie immer großartige Paul Giamatti!!! Eigentlich der bekannteste Schauspieler des ganzen Films. 😀

2443_RB_00016RPaul Giamatti, der bekannteste Darsteller des Films, verkörpert sehr überzeugend den Manager Jerry Heller der Band. Bild: Universal

Die Macher des Films haben gut daran getan, die meisten Rollen mit „frischen Gesichtern“ zu besetzten. In Verbindungmitden guten Leistungen der Darsteller (Ausnahme Aldis Hodge) , bringt dies eine besondere Dynamik in die Erzählung der Bandgeschichte.

Storyline & Musik:

Straight Outta Compton ist eine sehr geradlinige (straight 😉 ) erzählte Geschichte bzw. Biografie, welche dem Zuschauer den damaligen Zeitgeist und die Atmosphäre L.A.`s bzw. Compton`s sehr nahe bringt (Polizeigewalt, aufstrebende Musikszene, Gangs, etc). Zu hören ist natürlich Musik von N.W.A., aber auch zahlreiche Klassiker von Zapp, Funkadelic, Vanity 6, Steve Arrington, etc. Schon das alleine sorgt dafür, dass man als Musikfan stimmungsmässig gepackt wird vom Film. Zum Sound: Wir haben den Streifen in 7.1 Surround Sound geschaut. Die Tonmischung von Straight Outta Compton ist wirklich hervorragend und verleiht vor allen Dingen der Musik ihre nötige Präsenz.

Straight Outta ComptonDie Die Original-Band (Dr. Dre, DJ Yella, Ice Cube & MC Ren) mit den Darstellern des Films. Bild: Universal

Deutsche Synchronstimmen:

Ehrlich gesagt haben wir schlimmes befürchtet. Man kennt das. Man geht in einen Film mit afro- amerkianischen Schauspielern und schon schalten die deutschen Synchronsprecher ihre Pseudo-Ghetto-Stimme ein. Zum Glück ist das bei Straight Outta Compton nicht so. Die Synchronsprecher haben die original Sprache des Films recht überzeugend ins Deutsche übertragen ohne das es peinlich wirkt.

Für Fans & Kenner: (Lücken & Ungereimtheiten)

Für Fans von N.W.A., Ice Cube, Dr. Dre & Co, bietet der Film eine sehr lebendige und unterhaltsame Darstellung ihrer Jugendhelden. Viele Teile der erzählten Bandgeschichte erscheinen Wahrheitsgemäß. So z.B. die finanziellen Probleme von Dr. Dre aufgrund seiner zahlreichen, nichtehelichen Kinder, etc. Oder das er eine gute Weile gezwungen war, bei seiner Tante unterzukommen. Auch das Ice Cube kein Straßentyp, sondern eher ein ambitionierter Schüler war, kommt im Film rüber. Diese „Normalität“ macht die Charaktere greifbar und sympathisch. Allerdings weist die Story des Films für die echten N.W.A. und Westcoast Hip Hop Nerds zahlreiche Lücken und Ungereimtheiten auf.

Straight-Outta-Compton-albumInnovative Live

N.W.A. Gründungsmitglied Arabian Prince und sechster Mann auf dem Cover der Debüt-LP wurde im Film komplett aus der Bandgeschichte gestrichen. Bilder: Ruthless Records & Stonesthrow

So taucht u.a. N.W.A. Gründungsmitglied Arabian Prince aka Mike Lezan nicht auf der Leinwand auf. Er ist die sechste Person auf dem Cover der Debüt-LP der Band. Der legendäre Club Eve After Dark, in dem Dr. Dre u.a. zahlreiche DJ-Gigs hatte, taucht zwar auf und auch der Club- und Label-Chef Lonzo wird portraitiert, doch es gibt keinen Hinweis auf darauf, das DJ Yella und Dr Dre, bereits vor N.W.A. eine erfolgreiche Recording-Karriere mit ihrer Band World Class Wreckin Cru hatten. Auch der vor Gangsta-Rap an der Westküste und in Florida sehr lebendige und populäre Electro-Funk-Sound, dem auch die World Class Wreckin Crew zugeordnet werden kann, hat keinen Platz in der Straight Outta Compton Story bekommen. Im Film nimmt Jerry Heller Kontakt zu Eazy-E auf, obwohl es eigentlich, gemäß zahlreicher Quellen genau umgekehrt war. Eazy-E war es in Wahrheit so wichtig Jerry Heller zu treffen, das er Lonzo für den Kontakt sogar eine stolze Summe Geld zahlte. Die im Film dargestellte Festnahme der Band in Detroit hat laut Jerry Hellers Buch „Ruthless“, in dieser Art nie stattgefunden. Michel`le wurde komplett aus der Geschichte heraus gestrichen.

WCWC_Cover Michelle

The World Class Wreckin Cru, die Vorgängerband von Dr. Dre & Yella, wurde ebensowenig wie die Sängerin Michel`le im Film thematisiert. Bilder: Kru-Kut Records & Ruthless Records

Wenn man bedenkt auf wie vielen Arten, sie geschäftlich und auch privat im Leben der N.W.A. Bandmitglieder involviert war, dann ist das doch etwas verwunderlich. So war Michel`le u.a bereits zu World Class Wrecking Cru Zeiten mit Andre Young aka Dr. Dre leiert und veröffentlichte als Sängerin auf Ruthless Records eine von Dre produzierte RnB-LP, sowie zahlreiche Singles. Auch auf dem Death Row Label war sie später als Artist unter Vertrag. Zu dieser Zeit trennte sich das Paar und sie hatte anschließend eine Beziehung mit Suge Knight. Ein Umstand, der vermutlich für zusätzliche Spannungen zwischen den beiden Personen gesorgt hat.

JJFad EazyE

Auch die öffentlichen Anfeindungen zwischen Dre & Eazy-E, sowie die von Dre & Arabian Prince produzierte Gruppe JJ Fad fanden keinen Platz in der Filmstory. Bilder: Ruthless Records

Gegen Ende des Films ist zu sehen, wie Eazy-E wenige Monate vor seinem Tod mit seiner Firma Ruthless kurz vor dem Bankrott steht. Das scheint wenig Glaubhaft, da das Label zu dieser Zeit u.a. die sehr erfolgreichen Bone-Thugs-N-Harmony unter Vertrag hatte. Außerdem hatten sich die Eazy-E Solo-Veröffentlichungen ebenfalls gut verkauft. Und Ruthless Records bekam von jedem Dollar, den Dre verdiente, einen Anteil ab. Nur unter dieser Bedingung, hatte man Dr. Dre damals aus dem Vertrag mit Ruthless entlassen. Auch dieser Umstand wird im Film nicht behandelt. Wie groß die Anfeindungen und Grabenkämpfe zwischen Dr. Dre und Eazy-E in aller Öffentlichkeit damals wirklich waren, inklusive offener Drohungen, Diss-Videos und Songs, etc., wurde in diesem Streifen ebenfalls kaum thematisiert. Die eher poppige Female-Rap-Gruppe JJ Fad, welche 1988 aus strategischen Gründen ihr von Dre und Arabian Prince produziertes Album, kurz vor der Straight Outta Compton LP veröffentlichte, wurde ebenfalls komplett aus der Story heraus gestrichen.

PrintBild: Universal

Fazit:

Straight Outta Compton ist ein wirklich sehenswerter Film. Und das nicht nur für N.W.A. Fans oder den Hip Hoppern unter den Kinobesuchern. Trotz 2 ½ Stunden Spiellänge hat der Film keine langweiligen bzw. langatmigen Passagen und bleibt durchgehend unterhaltsam und spannend. Keine Frage! Die Story wurde und die Art der Darstellung wurden hollywoodmässig „aufpoliert“. Aber genau das macht den Film auch für den „normalen“ Kinogänger interessant. Die echten N.W.A. Nerds kennen die Geschichte sowieso. Natürlich ist es schade und auf eine gewisse Weise ungerecht, dass viele Personen im Film nicht vorkommen (Arabian Prince, Michel`le, etc), aber dennoch sollte man als Musikfan bzw. Hip Hop Fan diesen Film gesehen haben.

Viele N.W.A. Neulinge wird dieses Biopic sicher dazu animieren sich mit der Musik der Gruppe, sowie mit neueren Projekten dieses „ Stammbaumes“ intensiver auseinanderzusetzen. Und das ist garantiert von Dr. Dre, Ice Cube und Co auch so beabsichtigt. Das Ende des Films hätte allerdings getrost dem Schnitt zum Opfer fallen können. Ein Imagekurzfilm über Cube`s Filmprojekte und Dre`s überteuerte Kopfhörer. Unnötig!

Dennoch würde sowohl ich (Al) als N.W.A. Neuling, als auch der Kinobegleiter (Rick Ski aka Hip Hop Nerd) den Film sofort noch mal ansehen.

Kurzum: Schaut Euch den Streifen an! Ihr werdet es nicht bereuen.

In diesem Sinne:

Cruisin` down the street in our 64…….. 😉

AL & Rick Ski

Dieser Artikel wurde ebenfalls veröffentlicht auf:

Der Maschinenraum (Tonstudio & Audioproduktion Köln)

Bildmaterial & Audio: Universal (upimedia.com) – used by permission according to upimedia.com Terms & Conditions

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