DJ JS-1 (Rock Steady Crew/NYC) Interview (2008)


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DJ JS-1: Der New York „Boom Bap“ Faktor!

Hinweis: Dieses Interview/dieser Artikel stammt aus dem Jahr 2008 und geht nun erst 2016 online, da der ursprüngliche Auftraggeber damals auf eine Veröffentlichung verzichtete.

Einigen Hip Hop Fans könnte der Name „DJ JS-1“ eventuell noch völlig unbekannt sein. Dabei ist der New Yorker Turntablist längst kein Newcomer mehr. Im Stadtteil „Queens“, in dem er heute noch lebt geboren, bekam er Ende der achtziger als Graffiti-Künstler ersten Kontakt mit der Hip Hop Kultur. Seinen dort entstandenes Pseudonym „JS-1“ übernahm er dann auch als Künstlernamen für seine DJ Aktivitäten. Vor allen Dingen durch unzählige Mixtapes machte er sich in der New Yorker Underground Szene einen Namen. Bald wurde Crazy Legs, President der legendären „Rock Steady Crew“ auf den talentierten DJ aufmerksam machte ihn zu einem Teil seiner Organisation. Darüber entstand wiederum eine Verbindung zur Human Beatbox Legende „Rahzel“, der damals noch ein Teil der Hip Hop Band „The Roots“ war. Als 1999 die Zeit für Rahzel gekommen war ein Solo Album zu veröffentlichen, wurde DJ JS-1 seine „Band“. Seitdem sind die beiden ein unzertrennliches Tag-Team, welches einen großen Teil des Jahres weltweit zwecks Live Gigs unterwegs ist.

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Foto: Detlef Rick (All rights reserved)

 

Neben dem DJing begann JS-1, der Bürgerlich übrigens William Tramontozzi heißt und im 1974 geboren wurde, auch Beats zu produzieren. Im Jahr 2002 veröffentliche er so sein erstes Album „Ground Original“. Es folgten ein Jahr später das Album „Claimstake“ und Jahr 2004 das Album „Audio Technician“. Schon damals arbeitete er mit namhaften Rappern wie „KRS-1“, Kool G Rap“ und den „Dilated Peoples“, etc. zusammen. Ich traf ihn das erste mal im Winter 2008 im Kölner „Wartesaal“, als im Rahmen der „5 Elements“ zusammen mit „Rahzel“, „Mixmaster Mike“ und „DJ Muggs“ unterwegs war. Dort konnte ich zwar seine DJ-Performance filmen und einige Fotos schiessen, doch aus Zeitgründen kam es leider nicht zum Interview. Und so haben wir dieses im Frühsommer bei ihrem Gig in Amsterdam nachgeholt. Mittlerweile ist auch das neueste Album, nämlich „Ground Original 2: No Sell out“ erschienen und strotzt auch diesmal nur so vor namhaften Feature-Gästen. Mit dabei sind u.a. „Large Professor“, „Kool Keith“, „CL Smooth“ und „Sean Price“, etc.

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Interview-Audio:

Rick Ski:

Willkommen! Mein Name ist DJ Rick Ski. Ich sitze hier mit DJ JS-1. Du stammst aus New York City, stimmt`s?:

DJ JS-1:

Das stimmt. Ich komme aus Queens, New York. Ich habe dort schon mein gesamtes, bisheriges Leben verbracht. Da New York meine Heimatstadt ist, habe ich dort auch die ganzen verschiedenen Leute, mit denen ich heute zusammen arbeite kennen gelernt. Die Rock Steady Crew, Rahzel und all die unterschiedlichen MCs, die auf meinen Alben gefeatured werden.

Rick Ski:

Das erste mal, das ich dich traf war im November 2008 bei der „Five Elements of Hip Hop“ Tour im Kölner Wartesaal. Wie wurdest du damals eigentlich ein Teil dieser Tour?

DJ JS-1:

Ich bin schon sehr lange mit Mixmaster Mike befreundet. Wir waren schon vor über zehn Jahren in den USA gemeinsam auf Tour unterwegs. Rahzel ist das eine Element, nämlich die Human Beatbox. Aber eigentlich repräsentiert er zwei Elemente, nämlich das Beatboxen und das MCing. Und da gab es die ganzen Djs auf der Tour, die dieses Element verkörperten. Und eigentlich hätte auch Mr. Wiggles mitkommen sollen, um für die B-Boys zu repräsentieren. Und ich selbst bin neben meiner DJ Tätigkeit bereits seit den späten achtziger Jahren als Graffiti Künstler aktiv und verkörpere somit auch dieses Element von Hip Hop. Somit hatten wir alle Elemente vertreten. Sie wollten halt etwas zusammen stellen, was alle Elemente des Hip Hop vereint. Aber davon abgesehen sind wir auch alle gute Freunde. Es ging nicht darum völlig verschiedene Bands gekünstelt zu einer Tour zusammen zu basteln.

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Foto: Detlef Rick (All rights reserved)

Rick Ski:

Wie bist du ursprünglich zu Hip Hop gekommen?

DJ JS-1:

Angefangen habe ich in den späten achtziger Jahren mit Graffiti. Und daher stammt auch mein DJ-Name, nämlich „JS-1“. So um 89/90 begann ich mit dem Djing. Ich habe ständig geübt, habe an Battles und Shows teilgenommen und irgendwann erste Mixtapes veröffentlicht. Ich ging jedes Jahr zur „Rock Steady Anniversary“ und zur „Zulu Nation Anniversary“. Ich habe dort Kontakte geknüpft und mit bin verschiedenen Leuten aufgetreten. Und über die Jahre freundet mal sich halt mit vielen Künstlern an. Und dann lernte ich Rahzel kennen. Als er dann im Jahr 1999 sein erstes Album veröffentlichte, bat er mich ihn als DJ bei seiner Tour zu unterstützen. Seit nun fast zehn Jahren bin ich nun mit Rahzel unterwegs. Wir haben Auftritte in der ganzen Welt. Ich mache immer noch meine Graffiti Sachen, wenn ich die Zeit dazu finde. Ich veröffentliche außerdem meine eigenen Alben. Auf ihnen feature ich Rapper wie „KRS-One“, „Big Daddy Kane“, „Kool G Rap“, „Common“, „Pharao Monch“, „Dilated Peoples“. Die wirklich „guten“ MCs halt. Nicht die kommerziellen Künstler. Ich habe mich dazu entschlossen im „Underground“ zu bleiben und den „Old School Vibe“ aufrecht zu erhalten.

Rick Ski:

Ihr tourt viel um die Welt, oder?

DJ JS-1:

Ja, Ja, das stimmt. Das ist eine Sache, die wir am laufen halten möchten. Wir sind wirklich viel auf Tour. Nicht nur um Geld zu verdienen, obwohl Geld einen natürlich ohne Zweifel voran bringt. Aber uns geht es mehr darum, die Tradition von zwei Plattenspielern, einem Mikrofon und der Human Beatbox aufrecht zu erhalten. Diese Sache geht im neuzeitlichen Medien-Jungle von MTV und Co, leider oft unter. Meistens sehen die Leute dort nur die dicken Autos und die bunten Klamotten und denken, das es darum beim Hip Hop geht. Wir wollen dem Publikum das vermitteln, mit dem wir groß geworden sind. Das ist der rohe und raue New York „Boom Bap“ Hip Hop Sound. Das wollen wir in der ganzen Welt verbreiten, weil dieses Element vielleicht mancherorts fehlt.

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Foto: Detlef Rick (All rights reserved)

Rick Ski:

Bei deinem DJ Set, letztes Jahr (2008) im Kölner Wartesaal bei der „Five Elements of Hip Hop“ Tour hattest du viele klassische Hip Hop Breaks mit modernen DJ-Techniken kombiniert. Was war deine Grundidee dahinter?

DJ JS-1:

Also, das ist einfach meine persönlich Lieblings-Musik. Ich liebe einfach alle Old School-Breaks. Das ist das gleiche Ding, das damals auch Pioniere wie Kool Herc, Bambaataa, oder auch Grandmaster Flash verkörpert haben. Es gab einfach noch keine Hip Hop Schallplatten, als sie anfingen. Also spielten sie Disco-Breaks, Funk-Breaks und Rock-Breaks. Ich liebe das. Denn es beinhaltet auch das Cutting, das hin- und hergehen zwischen den Platten. Außerdem muss man den Takt einhalten. Dabei geht es halt nicht darum einfach eine Platte der „Black Eyed Peas“ laufen zu lassen und dann langsam die nächste einzublenden. Du weist schon was ich meine. Und all diese Old School Songs sind nach wie vor Klassiker. Selbst wenn die Leute diese Songs nicht kennen, packt sie trotzdem diese positive Energie. Das bringt die Leute in gute Stimmung und in Tanz-Laune. Da geht`s nicht rumballern und töten und diese „Ich hab mehr Geld wie du“ Attitude. Ich mag diesen „Vibe“ einfach und kombiniere das mit den aktuellen DJ-Skills. Ich lege halt solche Sachen auf, entwickele es aber für mich weiter. Deshalb lege ich viele Old School Songs auf.

Rick Ski:

Neben dem DJing bist du auch viel als Produzent tätig.

DJ JS-1:

Ja, ich produziere meine eigenen Alben. Ich habe bisher drei davon veröffentlicht. Eines heißt „Ground Original“, „Claimstake“ und das neue Album heißt „No Sell Out“. Darauf feature ich die MCs, die ich mag und mische sie mit neuen, frischen Underground-MCs. Wie gesagt, solche Leute wie „KRS-One“, „Canibus“, „Pharao Monch“, „Common“; „Big Daddy Kane“, „Kool G Rap“, „Dilated Peoples“. Verschiedene MCs dieser Art, halt. Das mag ich total. Ich liebe es wirklich zu produzieren. Meine Ambition ist es allerdings nicht in die Pop-Charts zu kommen, sondern guten und harten Hip Hop zu produzieren. Ich interessiere mich nicht so sehr dafür meine Songs im Radio zu platzieren. Das überlasse ich Leuten wie „Timbaland“ und den anderen „grossen“ Produzenten. Ich bleibe beim harten Hip Hop. Alle Leute die meine Sachen mögen, interessieren sich nicht für Chart-Platzierungen und Radio-Playlists. Wir mögen einfach die rauen, harten Beats. Genau wie auch DJ Premier.

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Foto: Detlef Rick (All rights reserved)

Rick Ski:

Hast du den Eindruck, das es mittlerweile zwei unterschiedliche Hip Hop Szenen gibt? Eine Szene bei der es hauptsächlich um den Kommerz geht und eine sogenannte „echte“ Hip Hop Szene?

DJ JS-1:

Ich will mich nicht über die kommerzielle Musik lustig machen. Es ist cool, die Leute möchten halt tanzen. Es ist halt ein anderer Musik-Stil. Musik verändert sich und entwickelt sich weiter. Das ist das tolle an Hip Hop. Es gibt so viel verschiedene Arten davon und kannst viele verschiedene Dinge damit machen. Aber ich persönlich bin halt mit dem „Boom Bap“ Hip Hop aus New York aufgewachsen. Die harten Drums und die harten Basslines. Nicht so sehr diese Tanzmusik. Aber ich

mag alles mögliche und ich höre mir alles an. Ich bin ein Fan von unterschiedlichster Musik, aber das ist halt nicht die Art von Hip Hop die ich produziere. Man kann also wirklich sagen, das es zwei verschiedene Arten von Hip Hop gibt. Einmal den kommerziellen und einmal den mehr Underground-orientierten Hip Hop.

Rick Ski:

Erzähl uns über deine aktuellen und kommenden Projekte.

DJ JS-1:

Mein aktuelles Album heißt „No Sell out“. Das ist der zweite Teil meines „Ground Original“ Albums. Und dann haben wir das kommende Rahzel Album. Das wird sehr gut. Es wird viele Feature-Gäste geben. Ich möchte jetzt noch nicht alles verraten, aber es beinhaltet Rock Musik, es gibt Hip Hop und es werden auf dem Album auch Live Instrumente präsent sein. Auf meinem eigenen Album feature ich 42 meiner Lieblings-Rapper. Nur harte Hip Hop Beats. Keine netten Tanz-Hits, keine Radiosongs, kein „Fergie“ Gesang. Sorry, (Lacht) aber ich bin echt kein großer Fergie (Black Eyed Peas Sängerin) Fan.

Rick Ski:

Danke für das Interview!

DJ JS-1:

Danke an euch! Ich bin froh hier zu sein. Und ich freue mich wirklich das es Leute zu schätzen wissen, wenn ich achtziger Hip Hop Platten mixe. Ich weis noch genau wie du mir Probs dafür gegeben hast. Danke. Vielen Dank!

Dieser Artikel wurde ebenso auf Der Maschinenraum, Köln veröffnetlicht

DJ JS-1 im Netz:

Offizielle Website, Facebook, Twitter, Blogspot, Soundcloud, Youtube

Rick Ski im Netz:

Website/Facebook, Youtube, Soundcloud, Mixcloud

 

(DJ JS-1 live im Alten Wartesaal, Köln 2008)

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(DJ JS-1 & Rick Ski) Foto: Detlef Rick (All rights reserved)

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